10 Jahre Diakoniestation Braunschweig

 

„Es gibt uns noch!“  -  Der alte Baum steht noch immer. Der Stamm und die dicken Äste aus unseren Teilstationen und der Geschäftsstelle sind weitestgehend aus massivem Holz. Wir sind im Bereich der Alten- und Krankenpflege in Braunschweig und Vechelde fest etabliert. Starke Zweige sind hinzugekommen durch die Objekte im Betreuten Wohnen in Kooperation mit der Wiederaufbau. Ein kleiner Zweig am großen Ast des Betreuten Wohnens wird in Kürze weg brechen. Andere Zweige sind aufgrund schwieriger gesetzlicher und finanzieller Einschränkungen brüchig geworden, wie der Zivildienst und die ambulante Sozialarbeit. Doch an dieser Stelle ist ein neuer kleiner Zweig zu bemerken, der Förderverein Diakoniestation Braunschweig e.V., der es sich zum Ziel gesetzt hat, Fördermittel für die ambulante Sozialarbeit ein zu werben. Und ein weiterer kleiner Zweig geht von diesem großen Ast Sozialarbeit ab, die ambulante Arbeit mit Menschen, die unter Demenz leiden, in Form von Gruppenangeboten und Helferinnenkreisen. Ganz kleine frische Triebe sind sichtbar im Bereich des Einsatzes von Hartz IV – Kräften und zwei neue ganz zarte Triebe deuten schon die beiden neuen Planungen im Bereich des Betreuten Wohnens an.

 

Von den Wurzeln über den Stamm durch die dicken und dünnen Äste, über die kleinen und großen Zweige hin zu den hell- und dunkelgrünen, gelben und braunen Blättern ist die Erkenntnis in den 10 Jahren unseres Bestehens gewachsen, dass eine Anpassung an die sich verändernde Umwelt, teils auch schmerzlich, erforderlich ist und das Krisen überstanden werden können, wenn alle gemeinsam daran arbeiten, von dem Willen getragen, dass unser Baum weiterhin wachse, grüne und gedeihe!

 

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege und den Zivildienstleistenden für ihr Verständnis, ihr engagiertes Mittun und  für ihre Zuneigung zu den Patientinnen und Patienten, herzlichen Dank allen Pflegedienstleitungen und stellvertretenden Pflegedienstleitungen sowie unserer Qualitätsbeauftragten, die mich ausgebremst, kritisiert und doch immer wieder unterstützt haben, herzlichen Dank allen Mitarbeiterinnen in der Verwaltung, die sich stets wieder mit neuer Kraft und neuer Lernbereitschaft den gestiegenen Anforderungen der Bürokratie stellen, herzlichen Dank der Mitarbeitervertretung, die manchmal unheimlich anstrengend ist und doch auch konstruktiv neue Wege mitgeht, herzlichen Dank unseren Sozialarbeiterinnen im Betreuten Wohnen und in der ambulanten Arbeit, die Menschen auf eine andere Art helfen, herzlichen Dank allen Fördervereinsmitgliedern, Beiratsmitgliedern, Verbandsausschussmitgliedern und Mitgliedern der Verbandsversammlung, die uns darin unterstützen, unsere Arbeit im diakonischen und kirchlichen Umfeld zu verankern und die immer wieder gute Ideen einbringen.

 

Ich freue mich, wenn ich diesen Baum betrachte und glaube an seine Zukunft!

 

Kathrin Weiher

(ehemaliger geschäftsführender Verbandsvorstand)

 


10 Jahre Diakoniestation Braunschweig

 

Kranke Menschen zu besuchen und zu pflegen, ist für Christen eine notwendige Verpflichtung. Es ist weit mehr als eine freiwillige Leistung, die wir auch lassen könnten. Die Diakonie, also der Dienst am Mitmenschen, gehört genauso wie die Verkündigung im Gottesdienst und die Bildung von Gemeinde zu den unverzichtbaren Wesensäußerungen der christlichen Kirche: „Zum Auftrag der Kirche, Zeugnis von Jesus Christus in der Welt zu geben, gehört der Dienst am Nächsten (Diakonie).“ (§ 1, Abs. 1 Diakoniegesetz)

 

Die christliche Gemeinde ist in der Nachfolge Jesu von Anfang an dieser Verpflichtung nachgekom­men. Jesus sandte seine Jünger aus, „die Kranken zu heilen“ (Lk 9,2). Schon in der Jerusalemer Urge­meinde bildete sich eine Arbeitsteilung heraus (Apg 6). Klöster unterhielten Krankenstationen und Hospize. Seit der Mitte des 19. Jh. entwickelten sich die Berufe der Diakonissen, und später der Gemeindekrankenschwestern.

 

Im April 1995 wurde die „Diakoniestation Braunschweig ZkR“ gegründet. ZkR heißt „Zweckverband kirchlichen Rechts“. Seine Träger sind die Propstei Braunschweig, die Propstei Königslutter und der Landesverband der Frauenhilfe. In vielen Kirchengemeinden gibt es Besuchsdienste und Pflegestift­ungen, in denen Menschen stellvertretend diesen unverzichtbaren Dienst tun, und mit denen wir eng zusammenarbeiten, z.B. in den Beiräten der Teilstationen.

 

Wir dürfen heute dankbar und stolz sein, dass es in den letzten 10 Jahren gelungen ist, die ambulante kirchliche Pflege im Bereich unserer Stadt Braunschweig (und seit 1997 auch im Bereich der Propstei Vechelde) zu sichern. Das haben wir dem Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten, den Kirchengemeinden, der Landeskirche und vor allem den über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu danken, die nicht nur ihren aufwendigen Dienst tun, sondern auch bereit sind, finanzielle Einbußen mit­zutragen. Zur Mitfinanzierung der ergänzenden Sozialarbeit wurde ein Förderverein gegründet. Und inzwischen bietet die Diakoniestation auch mehrere Einrichtungen für „Betreutes Wohnen“ an.

 

Die professionelle christliche Krankenpflege ist immer schwieriger zu finanzieren. Seit den 90iger Jah­ren sind wir fast ausschließlich auf die abrechenbaren Leistungen der Kranken- und Pflegekassen ange­wiesen. Durch die Gesundheitsreformen wurden die Qualitätsanforderungen aber auch der Kostendruck immer höher. Der Leistungsdruck für die Mitarbeitenden ist ent­sprechend gewachsen. Die Konkurrenz ist größer geworden und wird durch die europäischen Entwicklungen noch verstärkt.

 

Die Rahmenbedingungen für die ambulante Pflege werden also schwieriger. Dennoch werden wir mit aller Kraft dafür eintreten, dass wir auch künftig als verlässlicher Partner für kranke, alte und pflege­bedürftige Menschen da sein können. Die Frage, ob wir das tun, stellt sich dabei nicht, denn die ist durch unseren Auftrag als Kirche entschieden. Fragen müssen wir allerdings, wie wir das tun: in welcher Rechtsform, mit welchen Mitteln, aus welcher Motivation, mit welchen Inhalten.

 

Gespräche, menschliche Zuwendungen, Gebete, Lieder, oder Segens­zuspruch sind im Rahmen der ambulanten Pflege keine abrechenbaren Leistungen. Sie tragen aber zu Gesundheit und Lebensqualität bei. Und sie erfordern Zeit und Geduld und Mut und Kraft. Wo Diakonie und Kirche drauf steht, muss auch Diakonie und Kirche drin sein. Darum muss es unser Ziel bleiben, die notwendige Verbindung von verantwortlichem betriebswirtschaftlichem Handeln und christlich-diakonischem Profil zu wahren und immer wieder neu mit Leben zu füllen.

Dazu gebe Gott seinen Segen.

 

Pfarrer Michael Gerloff

(Vorsitzender des Zweckverbandsausschusses und stellvertretender Propst)


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