Karpfen in Bier (ohne Bier)

Neulich kramten meine Tochter und ich in alten Unterlagen und da fiel uns das handgeschriebene Rezeptbuch meiner Mutter, Gertrud Marggraff, in die Hände. Sofort fiel mir eine nette Familiengeschichte ein. Bei uns zu Hause in Berlin gab es traditionsgemäß am Neujahrstag „Karpfen in Biersoße“.

 

Und genauso war es Tradition, dass dieses Gericht meine Mutter zubereitete. Sie ließ auch keinen an ihren Kochtopf heran, denn „selbst ich würde dies ja wohl nicht richtig machen können“. Also stand Oma, selbst noch in sehr hohem Alter, Neujahr in der Küche und bereitete den geheimnisvollen Karpfen zu.

 

Dann eines Tages, die Familie saß am Tisch und wollte sich den Fisch munden lassen, aber so richtig wollte das keinem gelingen. Jeder kaute verlegen auf seinem Bissen herum, bis meine Mutter meinte: „Also ich weiß nicht Oma dein Karpfen hat auch schon mal besser geschmeckt. Irgend etwas ist da nicht wie sonst.“ Meine Mutter war pikiert und schimpfte mit uns: „Also was ihr immer habt, nichts kann man euch recht machen!“

 

Mit langen Zähnen aßen wir unsere Mahlzeit zu Ende und holten dann den Nachtisch aus der Küche. Und da sahen wir es dann. Das Braunbier mit dem der Karpfen zubereitet werden sollte, stand da schön verschlossen in der Flasche auf dem Küchentisch. So war es also zum Karpfen in Biersoße ohne Biersoße gekommen.

 

(Übrigens hat meine Mutter danach nie wieder den Karpfen zubereitet, sondern bereitwillig mir das Feld überlassen.)


Gertrud Marggraff ca. 1910

Das Rezept


Zutaten:

1 Karpfen, Braunbier, Zwiebeln, Lorbeerblatt, Gewürzkörner, Pfefferkuchen evtl. Essig, Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Der Karpfen wird geschlachtet, das Blut aufgefangen und geschuppt. Dann setzt man Braunbier mit Zwiebeln, einem Lorbeerblatt, Gewürzkörnern auf und lässt alles gut kochen. Dann weicht man Pfefferkuchen ein und tut es dazu.

Falls das Bier nicht sauer genug ist tut man etwas Essig dazu. Nun kommt der Karpfen in Stücke geschnitten hinzu und man lässt alles 20 Minuten kochen, in dem man den Topf öfter schüttelt.

Nun schmeckt man alles ab, ob auch salzig genug und tut noch etwas gestoßenen Pfeffer hinzu.

 


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